Die Berufung eines neuen CEO ist für viele Aufsichtsgremien und Inhaber die wohl wichtigste Personalentscheidung überhaupt. Ob die Position intern oder extern besetzt werden soll, ist dabei oft eine schwierige und mitunter sehr emotionale Frage.
Im Folgenden beleuchten wir die wesentlichen Vorteile und Abwägungen bei internen und externen Kandidaten. Dabei stützen wir uns bewusst nicht auf die zahlreichen veröffentlichten Studien zu diesem Thema, sondern auf unsere eigenen Erfahrungen aus Nachfolgeprojekten auf oberster Führungsebene.
Interne Besetzung
+ Vermittelt insbesondere innerhalb des Unternehmens Stabilität und Kontinuität – ganz im Sinne einer schrittweisen Weiterentwicklung statt eines grundlegenden Umbruchs.
+ Signalisiert, dass das Unternehmen eigene Talente entwickelt und ihnen Aufstiegsmöglichkeiten bis an die Unternehmensspitze eröffnet.
+ Die Fähigkeiten und die Persönlichkeit des Kandidaten sind bekannt. Man weiß, wem man die Verantwortung überträgt.
+ Der Kandidat kennt die Organisation bereits. Das Risiko, dass er nicht zur Unternehmenskultur passt, ist daher gering.
+ Die Einarbeitung fällt leichter: Der Kandidat weiß, was ihn erwartet, und kann vom amtierenden CEO frühzeitig auf die neue Aufgabe vorbereitet werden.
– Grundlegende Veränderungen sind weniger wahrscheinlich. Interne Kandidaten stehen eher für schrittweise Verbesserungen als für Neuerungen, die das Unternehmen entscheidend voranbringen.
– Die Bereitschaft, Positionen des Aufsichtsgremiums kritisch zu hinterfragen und ihm gegenüber einen eigenständigen Standpunkt zu vertreten, kann geringer sein.
Externe Besetzung
+ Signalisiert insbesondere nach außen und gegenüber den Kapitalmärkten, dass das Unternehmen nach Spitzenleistungen strebt und sich nicht auf bisherigen Erfolgen ausruht.
+ Unterstreicht den Anspruch, weltweit die besten Führungskräfte zu gewinnen.
+ Der Kandidat bringt neues Wissen und bewährte Vorgehensweisen aus anderen Unternehmen mit.
+ Ein unvoreingenommener Blick erleichtert es, sowohl Schwachstellen als auch Chancen zu erkennen.
– Der Einarbeitungsbedarf ist größer: Der Kandidat muss sich in einem neuen Umfeld zurechtfinden und auf die Unternehmenskultur einstellen. Ein umfassendes Programm zur Einarbeitung und Integration ist unverzichtbar, um die damit verbundenen Risiken zu verringern.
– Es besteht die Gefahr, dass interne Kandidaten an Motivation verlieren oder das Unternehmen verlassen.
Beide Wege haben somit Vor- und Nachteile. Welche Besetzung sinnvoll ist, hängt von der jeweiligen Situation ab: davon, wo das Unternehmen heute steht, wohin es sich entwickeln soll und welchen Auftrag der neue CEO erfüllen muss. Dabei geht es sowohl um die Ziele als auch um den Weg dorthin.
Externe Besetzungen sind naturgemäß mit höheren Risiken verbunden. Erfolgreiche externe CEOs leisten jedoch auf längere Sicht häufig einen größeren Beitrag zur Wertsteigerung des Unternehmens. Dem höheren Risiko steht somit auch ein größeres Potenzial gegenüber.
Es empfiehlt sich daher, sowohl interne als auch externe Optionen objektiv und gründlich zu prüfen. Entscheidend ist letztlich, die richtige Person für die Aufgabe zu finden.




